Wohnen an bzw. unter einer Stromleitung

Hochspannungsleitung von Bruchsal in Richtung Philippsburg

Elektrischer Strom ist aus unserer heutigen Welt nicht mehr wegzudenken. Mit der Nutzung entstehen jedoch auch unerwünschte Nebeneffekte wie zum Beispiel elektromagnetische Felder oder auch umgangssprachlich „Elektrosmog“ genannt. Ob im Haushalt, bei der Arbeit oder unterwegs – überall wo Elektrizität erzeugt, übertragen oder genutzt wird, kann man elektromagnetischen Feldern ausgesetzt sein. Die allgegenwärtigen Hoch- und Höchstspannungsleitungen, welche zum Transport sowie zur Verteilung von Elektrizität dienen, tragen ihren Teil zur Feldbelastung (sog. Exposition) bei.

 

Je weiter weg, desto besser?

Elektrische und magnetische Felder sind in der Umgebung von Gleich- und Wechselstromleitungen möglich. In der Regel machen aber elektrische Hausinstallationen und elektrische Geräte, die mit niedriger Spannung betrieben werden, den Hauptanteil der Feldbelastung aus. Wichtig ist: je weiter Hoch- oder Höchstspannungsleitungen, elektrische Geräte und Leitungen der Hausinstallation entfernt sind, desto geringer ist ihr Beitrag zur Gesamtfeldbelastung (sog. Gesamtexposition).

 

Elektrische und magnetische Felder

Elektrische Felder werden vom Erdreich und von gewöhnlichen Baumaterialien gut abgeschirmt. Deshalb spielen sie zum Beispiel bei Erdkabeln keine wesentliche Rolle, treten aber im Freien in der Umgebung von (Hochspannungs-)Freileitungen auf.

Die elektrische Feldstärke hängt vor allem von der Betriebsspannung einer Leitung ab. Unter 380 kV-Wechselstrom-Freileitungen (sog. Höchstspannungsleitungen) können Feldstärken auftreten, die über dem Grenzwert für niederfrequente elektrische Felder liegen. Dieser gilt verbindlich nur für Orte, an denen sich Menschen längere Zeit aufhalten können, wie zum Beispiel Wohngrundstücke. Bei Hoch- und Mittelspannungsleitungen wird der Grenzwert in der Regel auch direkt unterhalb der Leitungen eingehalten. Für Niederspannungsleitungen gilt der Grenzwert nicht, die elektrischen Feldstärken sind wegen der niedrigen Spannung aber klein.

Magnetische Felder treten bei Freileitungen und Erdkabeln auf. Sie werden durch das Erdreich oder durch Baumaterialien nicht abgeschirmt und dringen daher sowohl in Gebäude als auch in den menschlichen Körper ein.

Magnetfelder entstehen grundsätzlich wenn Strom fließt. Da die Magnetfeldstärke von der Stromstärke abhängt, schwanken die Feldstärken entsprechend mit den Stromstärken in den Leitungen. Die höchsten Feldstärken sind direkt unter Freileitungen und über Erdkabeln zu finden. Mit seitlichem Abstand zu einer Trasse nehmen sie deutlich ab.

Bei Freileitungen hängt die Feldverteilung vor allem von der Masthöhe sowie vom Durchhang und der Anordnung der Leiterseile ab. Der Durchhang der Leiterseile wird unter anderem vom Abstand benachbarter Masten entlang der Trasse (Spannfeldlänge) und von der transportierten Strommenge bestimmt: Je mehr Strom fließt, desto wärmer werden die Seile. Dabei dehnen sie sich aus und hängen stärker durch. Der gleiche Effekt tritt im Sommer bei hohen Temperaturen auf. Im Winter kann Eis auf den Leitungen dazu führen, dass sie stärker durchhängen. Der geringere Abstand zum Boden kann dann einen Anstieg der Feldstärkewerte zur Folge haben.

Bei Erdkabeln sind die Verlegetiefe, die Kabelanordnung und natürlich die Stromstärke entscheidend für die Magnetfeldstärken und deren Verteilung.

 

Die Wahrnehmung der Menschen

Elektromagnetische Felder können i.d.R. nicht vom menschlichen Körper und dessen Sinnesorgane erkannt bzw. wahrgenommen werden. Es gibt jedoch Menschen, die durchaus sensibel auf derartige Felder reagieren und häufig über mehr oder weniger ausgeprägte gesundheitliche Beschwerden klagen.

 

Belastungen durch magnetische Felder

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat in einer Studie zur "Erfassung der niederfrequenten magnetischen Exposition der Bürger in Bayern" festgestellt, dass Personen, die nach eigener Auskunft im Umkreis von 100 Metern um eine Hochspannungsleitung wohnten, nur geringfügig (etwa 10 %) höheren Feldern ausgesetzt waren als die anderen Studienteilnehmer. Die Feldbelastungen wurden dabei über 24 Stunden erfasst und gemittelt.

 

Auswirkung auf den Immobilienwert

Die Auswirkung eines Leitungsrechtes wird im Rahmen einer Immobilienbewertung mittels der besonderen objektspezifischen Grundstücksmerkmale erfasst. Abhängigkeiten wie zum Beispiel des Leitungsverlaufs, der Leitungsart, der Einschränkungen durch die Leitungen, etc. werden individuell berücksichtigt. Aus dem Immobilienmarktgeschehen ist jedoch eine Besonderheit der Marktteilnehmer (d.h. der Käufer) festzustellen. Sofern es sich um einen Verkäufermarkt handelt (d.h. es gibt wenige Objekte bei steigendem Preisniveau), sind die Käufer bereit etwaige Einschränkungen durch Leitungen zu akzeptieren. Sobald sich jedoch – je nach Region – der Markt ausgleicht oder dreht, werden diese Sachverhalte als Wertminderung berücksichtigt. In jedem Falle muss die lagetypische Situation vor Ort und der regionale Immobilienmarkt untersucht werden. Besonderes Augenmerk sollte jedoch bei Leitungsrechten im Zusammenhang mit unbebauten Grundstücken gelegt werden. Hier könnten der Trassenverlauf und der damit einhergehende Schutzstreifen die bauliche Nutzbarkeit des Grundstücks gegebenenfalls wertmindernd einschränken. Es kommt also darauf an.

Weiterführende Informationen siehe www.bfs.de [Bundesamt für Strahlenschutz]

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